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08.12.2015 Kurzinformation 23 0

VDE|FNN-Fachkongress Netztechnik: Neue Lösungen für die Netze von morgen

- 800 Branchenexperten diskutieren beim 19. Fachkongress Netztechnik in Nürnberg die Zukunft der Stromnetze

- VDE|FNN-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Küppers präsentiert Eckpunkte einer neuen Roadmap „Vom Netz zum System“

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE/FNN) hat auf dem Fachkongress Netztechnik in Nürnberg Eckpunkte seiner neuen Roadmap zur Weiterentwicklung der Netze vorgestellt. Sie umfasst Aktivitäten in drei Bereichen: „Vom Netz zum System“, „Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen“ sowie „Sicherer Systembetrieb mit Informations- und Kommunikationstechnologien“. Diese drei Themen sind die zentralen Herausforderungen für die Ertüchtigung der Netze für ein Energiesystem, dass in erheblichem Umfang auf Erneuerbaren Energien basiert. Den Startschuss zum weiteren Umbau der Netze gab Dr. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender von VDE/FNN und Geschäftsführer Technik der Westnetz GmbH, heute in seiner Keynote. „Das Netz der Zukunft muss vor allem flexibler, kommunikativer und damit intelligenter sein als heute. Es muss auf sehr hohe Fluktuationen vor allem bei der Einspeisung vorbereitet sein, auch beim Verbrauch und künftig bei den aufkommenden Speichern“, so Dr. Küppers vor den 800 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern des Kongresses.

Ein konkretes Arbeitsfeld für den Wandel „Vom Netz zum System“ sind mehr Flexibilitätsoptionen im Netz. Das intelligente Messsystem unterstützt diesen Prozess. Darüber sollen die vielen hunderttausend Erzeugungsanlagen in der Niederspannung nach Erfordernissen des Marktes und des Netzes einspeisen. VDE|FNN hat dazu netzbetriebliche Anwendungsfälle definiert und im April 2014 an das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) übergeben. Eine Bewertung durch die zuständigen Behörden BSI und Bundesnetzagentur steht noch aus. Dazu Dr. Küppers: „Wir begrüßen den von der Politik für 2017 geplanten Einstieg in das intelligente Messsystem. Politik und Behörden sollten jetzt aber weiter daran arbeiten, dass wir klare Rahmenbedingungen haben und der volkswirtschaftliche Nutzen des intelligenten Messsystems auch tatsächlich gehoben werden kann.“

Unter dem Thema „Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen“ fasst VDE/FNN künftig alle Aktivitäten zusammen, die für ein von Erneuerbaren Erzeugern dominiertes Stromsystem notwendig sind. Ein wichtiges Projekt aus der neuen Roadmap ist hier die Überführung des technischen Teils der bisherigen Netzanschlussbedingungen hin zu bundeseinheitlichen Technischen Anschlussregeln in Form von VDE-Anwendungsregeln (TAR). Diskutiert werden höhere Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen, so zum Beispiel das Durchfahren kurzzeitiger Spannungseinbrüche auch in der Mittelspannung. Bisher war das nur in der Hoch- und Höchstspannung der Fall. VDE/FNN erarbeitet dabei auch – nach Absprache mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – die nationale Umsetzung der europäischen Network Codes. Aktuell zum Beispiel des Network Codes „Requirements for Generators“, der voraussichtlich Anfang 2016 in Kraft treten wird. Die Veröffentlichung der vier neuen Anwendungsregeln ist für alle Spannungsebenen für 2016/2017 geplant.

Das Netz der Zukunft muss flexibler sein, Informations- und Kommunikationstechnologien halten verstärkt Einzug in den Netzbetrieb. All dies soll sicher geschehen. Dieses Thema wird daher als dritte Säule in den Vordergrund gerückt. Dazu wird VDE/FNN zunächst eine Studie durchführen, die klärt, welche Anforderungen an die IT-Sicherheit über netzbetriebliche Zeiträume (mindestens 15-jährige Betriebsdauer der Komponenten) mit Blick nach vorne notwendig bzw. erreichbar sind.